Ein altes neues Hobby

Als Kind war ich immer kunstbegeistert. Ich erinnere mich vage an verschiedene Zeichen- und Töpferkurse, die mir stets Spaß gemacht haben. Der Kunstunterricht an der Schule hat mich dagegen nur mäßig begeistert – oder ich sollte sagen, nur unregelmäßig, wenn eine bestimmte Aufgabe meinen Geschmack traf.

Später entdeckte ich dann das Schreiben für mich und irgendwann schien der Zug für mich abgefahren: Proportionen jeglicher Art und vor allem von Menschen und ihren Gesichtern sind für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Selbst wenn ein Foto neben dem Papier liegt, das ich abzeichnen möchte, würde der Arm schräg von der Schulter abgehen, die Augen würden eher denen eines Chamäleons ähneln, quer über das Gesicht verteilt, und eine Hand wäre doppelt so groß wie die andere.

Augen, Mund, Finger, egal was, ich kann es einfach nicht verinnerlichen. Kein Wunder, dass mir das Zeichnen zunehmend weniger Spaß gemacht hat, besonders, wenn Menschen oder Tiere involviert waren.

Ende letzten Jahres habe ich dann, inspiriert von Freunden, einen Versuch gewagt und mir ein gebrauchtes Grafiktablet und die App Procreate gekauft. Das hat mir die Augen geöffnet – und mir einen solchen Spaß am Zeichnen zurückgegeben, dass ich es immer noch nicht glauben kann. Ich zeichne/male darauf nicht regelmäßig und es gibt sicherlich hunderte von Dingen, die ich noch lernen muss. Aber zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt macht es mir wieder enorme Freude, den Stift in die Hand zu nehmen. Das Arbeiten mit Ebenen ist etwas völlig anderes als auf Papier. Ich kann korrigieren, was ich nicht mag, wann immer mir etwas auffällt, und radiere nicht beim dritten Versuch das Papier weg. Ich kann für schwierige Formen Fotos unterlegen und je nach Bedarf beispielsweise halbtransparent sichtbarmachen. Ich kann so oft Ebenen ausblenden und Varianten zeichnen, wie ich möchte.

Wohlgemerkt setzen sich die großen Bilder aus entsprechend vielen Ebenen zusammen. Als Beispiel:

Lost in the ice
Verloren im Eis

Das hier gezeigte Bild „Verloren im Eis“ beinhaltet allein für die fallende Person 3 Dateiversionen mit insgesamt mindestens 100 Ebenen (darunter natürlich auch viele Sicherheitskopien und ausgeblendete, weil verworfene Ebenen), mind. 80 Ebenen für die Person oben, ca. 20 für den Gletscher und den Hintergrund und dann noch mal 20 in der Datei, in der alle Elemente zusammengeführt sind. Jemand Erfahreneres würde wohl nicht so viele Ebenen benötigen, aber ich habe momentan noch lieber eine – oder 20 – Ebenen zu viel, als dass ich sie zu früh kombiniere.

Ich habe die meisten Ergebnisse meiner digitalen Zeichnungen seit Oktober hier (https://foerodens.wordpress.com/digitale-kunst/) gesammelt – nicht nur der Spaß, den ich am Zeichnen habe, überrascht mich, sondern ich bin auch von den Resultaten sehr angetan!

Werft ab und zu mal einen Blick auf die Seite, denn es werden sicher nicht die letzten Bilder sein!

2 Kommentare zu „Ein altes neues Hobby

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